Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Der Gesetzgeber räumt jedem Krankenversicherten ab dem 35. Lebensjahr ein, eine Gesundheitsvorsorgeuntersuchung alle zwei Jahre durchführen zu lassen. Diese Früherkennungsuntersuchung ist als sehr positiv einzuschätzen, das auch in einem doch recht jungen Alter, wo sich jeder topfit und gesund wähnt, der Kontakt zum Arzt hergestellt wird.

Die Früherkennungsuntersuchung umfaßt die körperliche Untersuchung einschließlich der Blutdruckmessung, die Bestimmung des Blutzuckers, des Cholesterins und des Kreatinins (ein Nierenwert). Nicht zwingend ist die Ableitung eines EKGs erforderlich.

Damit werden in der Tat die Hauptrisikofaktoren gesehen, die die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) mit den Folgen der Durchblutungsstörung der Arterien z.B. von den Beinen, des Hirns und des Herzens bedingen.

Zur Gruppe der Risikofaktoren, die sich unserem Einfluß entziehen, gehören das Alter und die familiäre Vorbelastung. Der Bluthochdruck, die Fettstoffwechselstörung, der Diabetes sowie der Bluthochdruck sind Ergebnis der ärztlichen Untersuchung.; Der Nikotingenuß bzw. –mißbrauch, die Fettleibigkeit und auch der Bewegungsmangel sind Faktoren der Lebensführung . Diese eben genannten Punkte kann der Patient selbst erkennen und in der Regel auch korrigieren.

Der wichtigste Risikofaktor für verengte Blutgefäße durch Ablagerungen (für die Arteriosklerose) kommt den Blutfettwerten zu. Hierzu gehören das Cholesterin und die Triglyceride (Neutralfette). Das Cholesterin besteht im wesentlichen aus zwei Komponenten, nämlich dem guten HDL-Cholesterin, das vor Arteriosklerose schützt und dem schlechten LDL-Cholesterin, das sich in den Wänden der Arterien einlagert.

Die Gesundheitsvorsorgeuntersuchung erfaßt lediglich das Gesamtcholesterin und  differenziert nicht den HDL und LDL und erfaßt nicht die Triglyceride. Somit werden z.B. eine Gruppe von Patienten nicht erfaßt, die ein normales Cholesterin aufweisen, jedoch ein deutlich erniedrigtes HDL und deutlich erhöhte Triglyceridspiegel. Diese Konstellation zeichnet sich durch ein hohes Arterienverkalkungsrisiko aus.

 

Jedem von Ihnen liegen Informationen über akute Herzinfarkte und fatale Ereignisse des plötzlichen Herztodes vor. Jeder von Ihnen erfährt, dass junge Sportler wie Fußballspieler und ältere Menschen beim Tennis oder Marathon akut schicksalhaft sterben. Prozentual gesehen sind solche fatalen Ereignisse bei jungen Sportlern eher selten, die Zahl  steigt jedoch mit zunehmendem Alter an.

 

Sind es in der ersten Gruppe meist Herzmuskelerkrankungen, so sind es in der zweiten Gruppe diejenigen mit Durchblutungsstörungen des Herzens bzw. Herzinfarkt.

 

Die Gefahr liegt darin, dass häufig keinerlei Vorboten und Beschwerden bestehen, obwohl eine Erkrankung bereits diagnostiziert werden könnte.

 

Aus eigener Praxis liegen mir Krankheitsfälle auch junger Sportler vor, die auf hohem Leistungsniveau trainieren und absolut keine Beschwerden hatten, dennoch als Zufallsbefund ein Herzklappenfehler oder Muskelschaden bestanden, die eine hochgradige Gefährdung darstellten, so dass ein Leistungssportverbot erteilt werden mußte.

 

Ähnliche Zufallsbefunde können auch bei Älteren ermittelt werden. Wie bereits erwähnt, nimmt prozentual die Gefährdung durch die koronare Herzerkrankung zu.

 

Wir stehen vor dem Problem, dass z.B. Herzschmerzen nicht immer als warnendes Symptom die Durchblutungsstörung und die Herzinfarktgefährdung anzeigen. Wir kennen alle den stillen Herzinfarkt, der nicht gefühlt und erst im Nachhinein überraschenderweise festgestellt wird oder wir kennen den akuten Herzinfarkt, der schicksalhaft ohne vorherige Vorboten auftritt.

 

Kommen wir zurück auf die gesetzliche Gesundheitsuntersuchung. Sie bietet allein nur fakultativ das EKG an.

 

Um die Krankheitsbilder, die sich uns aufgrund fehlender Beschwerden verstecken, sind Untersuchungen notwendig, deren Basis das EKG ist; aber dieses ist nur eine Minimaluntersuchung, denn das Ziel muß es sein, das Herz in Belastung zu sehen, es zu einer Mehrarbeit zu zwingen und es aus der Reserve zu locken. Dieses führen wir im Rahmen des Belastungs-EKGs meist in Form des Fahrradfahrens durch, mit dosierter Steigerung der Wattzahl in bestimmten Zeitintervallen. Hierbei auftretende Veränderungen zeigen mit hoher Sicherheit eine Herzerkrankung an.

 

Dieses Belastungs-EKG sollte zwingend im Rahmen der Vorsorge und Früherkennung durchgeführt werden, insbesondere dann,  wenn Risikofaktoren für eine Arteriosklerose und Gefäßerkrankung vorliegen, wozu, wie bereits erwähnt, eine Fettstoffwechselstörung, Diabetes mellitus, Übergewicht, Nikotinmißbrauch und  Hochdruck bestehen.

 

Eine hervorragende Bedeutung hat die Echokardiographie, ein Verfahren, das Herz im Ultraschallbild darzustellen. Die technische Entwicklung dieser Methode ist in den letzten Jahren optimiert worden, so dass die Qualität der Bilder beeindruckend ist. Sie erlaubt uns zuverlässig die einzelnen Herzhöhlen zu vermessen und eindeutig zu einer Herzvergrößerung  und –erweiterung sowie zu einem Herzklappenfehler Stellung zu nehmen. Genauso wichtig ist es, das Herz in seiner Bewegung beurteilen zu können: Ist die Herzkraft eingeschränkt oder bewegt sich ein Herzmuskel in einem bestimmten Bezirk überhaupt nicht (wie z. B. beim  Herzinfarkt).

 

Insgesamt ist die Echokardiographie eine wichtige Basisuntersuchung, denn wir wissen, selbst wenn eine körperliche Belastung auf hohem Niveau möglich und der Belastungstest normal ist, dennoch eine beginnende Herzmuskelschwäche oder ein beginnender Herzklappenfehler vorliegen kann, so dass das Ausmaß einer körperlichen Belastbarkeit neu festgelegt werden muß.

 

Stellen wir uns jemanden vor, der übergewichtig ist, raucht, ein nur grenzwertiges Cholesterin und wechselnd einen hohen  Blutdruck aufweist. Hat dieser bereits ein Gefäßrisiko? Müssen wir ihn intensiv hinsichtlich einer Prävention beraten? Hierzu hat die Duplexsonographie der Arterien eine herausragende Aussagekraft und wird insbesondere im Bereich der Halsarterien durchgeführt. Hierbei werden Arterien-verkalkungen bereits im Frühstadium dargestellt und lassen das Arterien-verkalkungsrisiko eindeutig erfassen.

 

Zusammenfassung

 

Die gesetzliche Früherkennungsuntersuchung macht Sinn und ist eine wichtige Maßnahme Risiken der Arterienverkalkung zu erkennen. Allein diese wird zu wenig genutzt. Denn sonst würden nicht 50% von Hochdruckkranken unerkannt bleiben.

 

Jedoch stellt sich die Frage, ob das Leistungsangebot ausreichend ist.

 

Ich meine, dass die Blutuntersuchung mit Einbeziehung der Triglyceride und in bestimmten Fällen auch durch die Differenzieung des HDL- und LDL-Cholesterins erweitert werden muß.

 

Ich bin ebenso der Meinung, dass Belastungstests durchgeführt werden müssen, insbesondere dann, wenn Risikofaktoren für eine Gefäßerkrankung vorliegen.

 

Zum anderen sollten regelmäßige sportliche Betätigungen über 40 Jahren durch eine Tauglichkeitsprüfung und einen Belastungstest begleitet werden, um gesundheits-gefährdende bzw. leistungsmindernde Faktoren rechtzeitig zu entdecken.

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